Wissenswertes zur Lizenzierung von Windows 7 Teil 2: Die Vertriebskanäle

art1-win7_thumbWillkommen zum zweiten Teil der Lizenzierungsreihe von Windows 7. Wir werden uns nun hauptsächlich mit den Vertriebskanälen befassen und dazu das in Artikel 1 angefangene Gespräch fortsetzen.

Ein Aspekt der vorletzten Frage ist dem IT-Leiter noch nicht ganz klar. Windows 7 wird nur mit der sogenannten Software Assurance vertrieben, aber was genau ist das überhaupt?

 

 

Was bedeutet Software Assurance?

Die Übersetzung des Begriffs Software Assurance (SA) bietet schon eine treffende Antwort, denn “Assurance” bedeutet “Zusicherung”. Sie bekommen also mit der ‘SA’ eine Software Zusicherung für mehrere Jahre und damit die Berechtigung, die aktuellste Version der Software zu nutzen. Das heißt konkret: Wenn Sie zum jetzigen Zeitpunkt ein Windows 7 mit SA kaufen, besitzen Sie dabei eine mindestens 3 Jahre lang anhaltende Softwarezusicherung für das Produkt. (Einzige Ausnahme bildet die SA im Volumenlizenzvertrag “Open Licence”, die dort nur 2 Jahre Laufzeit besitzt.)

Wenn während dieser Zeit beispielsweise ein “Windows 8” herauskommt, können Sie kostenlos auf dieses umsteigen. Zudem vereint die SA noch einige weitere Vorteile, wie bestimmte Downgraderechte, erweiterten Support, neue Zugriffs- und Virtualisierungsrechte oder kostengünstige Step up Lizenzen. Für den Kauf von Software mit SA ist immer ein Volumenlizenzvertrag erforderlich.

[ Weitere Informationen: Software Assurance]

 

Der IT-Leiter zeigt sich interessiert an dieser Möglichkeit, die Einsatzmöglichkeiten seiner Software zu erhöhen. Lediglich der Kauf von Software mit SA über einen Volumenlizenzvertrag ist ihm noch etwas schleierhaft.

Was ist eine Volumenlizenz?

Stellen Sie sich einmal folgendes Szenario vor: Sie besitzen 100 PCs, die mit Windows 7 ausgestattet werden sollen. Dazu werden 100 FPPs angeschafft. Diese Lösung ist nicht nur teuer, sondern auch zeitaufwendig, denn an jedem Rechner muss der Key einzeln per Hand eingetragen werden. Zudem müssen die FPP Verpackungen / Keys aufbewahrt werden, was wiederum Platz kostet.

Hier kommen die Volumenlizenzen ins Spiel. Eine Volumenlizenz ist eine Lizenz für ein bestimmtes Volumen an Computern. Dies bedeutet eine Ablösung von dem bekannten Schema (PC + CD + Key). Sie besitzen nun lediglich einen “Master-Key” mit dem man die Software beispielsweise über einen KMS-Server zentral aktivieren kann. Zusätzlich ist der Key in einem Portal bei Microsoft gespeichert, was Ihnen einen permanenten Zugriff und verminderten Verwaltungsaufwand garantiert.

Mit der Volumenlizenz erwerben Sie zudem fast immer automatisch die Software Assurance für die Produkte mit. Aber das ist noch längst nicht alles. Bei Windows 7 können Sie beispielsweise beliebig zwischen 32 – und 64 Bit wechseln, Lizenzen zentral über das Internetportal einkaufen oder das Recht auf Erstellen eigener Images nutzen.

Die Volumenlizenzen richten sich an Kunden, die PC Systeme mit mehr als 5 PCs verwalten. Eine bestimmte Höchstgrenzen an Computern ist momentan nicht gesetzt. Die Volumenlizenzen unterteilen sich in folgenden Typen: Kauf, Ratenkauf oder Miete. Den Gegensatz dazu bilden die Einzelhandelsversionen.

[ Weitere Informationen: Volumenlizenzierung]

 

Unser Gesprächspartner möchte nun noch mehr über die verschiedenen Vertriebskanäle wissen. Was ist zum Beispiel mit den vorinstallierten Versionen auf neuen Rechnern? Könnte man diese Software auch auf andere Systeme übertragen? Da das Thema für ihn sehr wichtig ist, gehen wir ausführlicher darauf ein.

Was ist ein Full Package Product (FPP) / Retail?

Dies ist die bunt bebilderte Variante für den großen Einzelhandelsbereich, wie sie in diversen Elektronikmärkten im Regal steht. Sie umfasst eine DVD (Datenträger), eine Dokumentation und eine Lizenz, sowie zwei kostenlose Supportanfragen an Microsoft. Besonderes Augenmerk hierbei ist, dass es sowohl die 32 als auch die 64 Bit Version enthält. Sie können also auswählen, welche Version Sie installieren möchten. Das gleichzeitige Nutzen beider Betriebssysteme ist jedoch nicht gestattet. Des Weiteren ist es der teuerste Vertriebskanal. Eine günstigere Alternative dazu ist die sogenannte Systembuilder Version (SB).

 

Was ist ein Systembuilder Produkt?

Wie der Name “Systembauer” schon andeutet, richtet sich dieser Vertriebskanal an Fachhändler, die vorkonfigurierte PC-Systeme vertreiben. Dabei wird die Systembuilder Variante mithilfe eines Vorinstallationsdatenträgers aufgespielt und der PC mit Software verkauft.

Die Erklärung wird von unserem Klienten unterbrochen, da er noch vor kurzem in einem Onlineshop ein frei verkäufliches Windows 7 Systembuilder Produkt gesehen hat. Es war einiges günstiger war, als eine Retail Version. So kommt die Frage auf, ob ein Kauf rechtens wäre und ob es Unterschiede gibt.

In Deutschland ist der Kauf einer Systembuilder Version rechtens, da durch ein Gerichtsurteil festgelegt wurde, dass Systembuilder Versionen nicht zwingend mit Hardware verkauft werden müssen. Softwareseitig gibt es zwischen Retail und SB keine Unterschiede. Beim Kauf einer SB-Version muss man sich aber direkt zwischen 32 und 64 Bit entscheiden und man enthält keinen kostenlosen Support von Microsoft. Die Version ist nach dem Aufspielen an die Hardware gebunden, was den deutlich günstigeren Preis erklärt.

Diese Erklärung klingt für ihn einleuchtend. Aber er hat früher schon mal von sogenannten OEM Versionen gehört, die er noch nicht so richtig einordnen kann.

 

Was ist denn dann genau eine OEM Version?

Eine OEM Version ist eine Softwarevariante speziell für große Computerhersteller, die einen Vertrag mit Microsoft geschlossen haben. Von den Herstellern wird vorlizenzierte Software auf die Hardware aufgespielt und ist dann daran gebunden, was man bei Windows an dem aufgeklebten Lizenzkey erkennt. OEM ist fast wie SB, nur das das Betriebssystem schon vom Hersteller aufgespielt und meist lediglich eine Recovery CD mit ausgeliefert wird.

Daraufhin erfolgt eine Frage des Abteilungsleiters die sich auf die Software Assurance bezieht. Kann man denn eigentlich einfach in ein Geschäft gehen und ein Windows 7 Retail mit Software Assurance kaufen?

Wir müssen dies Frage leider verneinen, denn um Software Assurance nutzen zu können, braucht man einen Volumenlizenzvertrag. Der kleinste zu buchende Vertrag umfasst 5 Rechner und nennt sich OPEN-Licence.

 

Was ist Open Licence ?

Der Open Licence Vertrag ist eine Variante des Volumenlizenzprogrammes. Hierbei bekommen Sie auch den besagten “Master-Key” mit dem Sie die entsprechende Anzahl von mindestens 5 PCs aktivieren können. In dem Volume Licensing Service Center kann zudem der gültige Key eingesehen werden. Der Vertrag läuft für 2 Jahre und Sie können optional die Software Assurance hinzubuchen. Die Kosten werden mit Vertragsabschluss in einer Summe beglichen.

Diese Informationen sind für den IT-Leiter erst mal ausreichend.. Er hat sich während des Gesprächs Notizen gemacht, wo er die entsprechenden Vertriebskanäle einsetzen könnte. Wir gehen die Überlegungen noch einmal gemeinsam durch:

Im Ausland hat er einen Bekannten, der einen relativ neuen PC besitzt. Bisher nutzt er ein Betriebssystem auf Linux Basis, möchte aber nun auf Windows 7 umsteigen. Er wünscht sich eine SB Version, aber aufgrund der Lokalisierung kann er über den Einzelhandel nur Windows 7 FPP beziehen. Somit setzt er nun Windows 7 FPP ein.

Ein Kunde in Deutschland kann aber im gleichen Fall ein Systembuilder Produkt kaufen, da diese in Deutschland frei verkäuflich sind. Für den günstigeren Preis muss aber die Hardwarebindung  akzeptiert werden.

In einer kleinen Zweigstelle gibt es 8 PCs, deren Betriebssystem erneuert werden soll. Jetzt bestünde die Alternative, acht neue Rechner mit einer vorinstallierten Windows 7 OEM-Version zu kaufen. Da die “alten” PCs aber noch durchaus in Ordnung sind, das Betriebssystem nicht an die Rechner gebunden sein soll und es schön wäre, wenn ein einzelner online abrufbarer Key für alle PCs existiert, ist ein Open Licence Vertrag sinnvoller. Zudem werden Hardwarekosten eingespart.

Bei der Nachfrage ob diese Schlussfolgerungen so in Ordnung sind, bejahen wir dies und beenden daraufhin diesen Besprechungsteil, da die Inhalte bis hierhin klar zu sein scheinen.

Weiter geht es im nächsten Blogartikel.

Daniel Althaus

Daniel Althaus ist auszubildender Fachinformatiker in der Richtung Systemintegration.

Ein Kommentar:

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