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14
Sep 2012

Seit kurzem ist die neue Generation des Windows Server für Volumenlizenzkunden verfügbar, in wenigen Tagen wird die Software dann für alle Kunden zur Verfügung stehen. Zeit hier an dieser Stelle einen Beitrag über die Lizenzierung zu schreiben, da sich hier nämlich gegenüber dem Windows Server 2008 R2 einiges geändert hat. Neben einer Änderungen an den Editionen hat sich auch an den Preisen, den Rechten bei der Virtualisierung und an den Funktionen innerhalb des Betriebssystems etwas geändert.

Grundsätzlich gilt in diesem Artikel: Der Ausdruck CPU beschreibt einen Sockel, keinen CPU-Kern oder logischen Prozessor.

Ich habe die Quellen für das, was hier aufgeführt und beschrieben ist, jeweils in den entsprechenden Passagen verlinkt. Trotzdem kann ich natürlich keine Garantie übernehmen, das sich hier nicht doch ein Fehler eingeschlichen hat, die Lizenzierung bei Microsoft ist zwar etwas einfacher geworden, trotzdem ist das Feld und die möglichen Szenarien so unendlich groß, das man immer wieder auf Möglichkeiten trifft, die von Microsoft nie bedacht und somit nicht beschrieben worden sind. Als Grundlage für die ordnungsgemäße Lizenzierung ist grundsätzlich die Microsoft PUR heranzuziehen.

Die unterschiedlichen Editionen

Microsoft hat bei den Editionen ein wenig aufgeräumt und die Anzahl der verfügbaren Varianten auf vier reduziert:

Datacenter

Die größte und gleichzeitig auch teuerste der vier Editionen ist die Datacenter Edition. Diese Lizenz gibt es sowohl als OEM- als auch als OPEN-Variante nur noch als 2CPU-Lizenz. Bisher war es so das man als OEM-Variante die Wahl zwischen der 2CPU und der 4CPU-Variante hatte, die OPEN-Lizenz musste man pro CPU bestellen, allerdings immer minimal zwei. Im OPEN-Bereich gibt es nur noch die 2CPU-Variante, als OEM-Lizenz gibt es wie bisher die 2CPU-Lizenz und zusätzlich eine “2CPU Additional Lizenz”. Diese Lizenz muss gekauft werden, wenn man mehr als zwei physikalische CPUs in seinem Server hat und diesen korrekt lizenzieren möchte.

Ein Beispiel: Ein Server mit vier CPUs soll mit Windows Server 2012 Datacenter lizenziert werden. Hier bestehen die folgenden Möglichkeiten:

  • Kauf von zwei OPEN Lizenzen für jeweils zwei CPUs
  • Kauf von einer OEM-Lizenz für insgesamt zwei CPUs und zusätzlich der Kauf einer “additional” OEM-Lizenz für insgesamt zwei CPUs

In Hinsicht auf die Virtualisierung hat man bei der Datacenter Edition (wie auch bisher) das Recht, eine uneingeschränkte Anzahl von VMs auf dem System zu betreiben, die Hardware ist hier die Grenze.

Die Datacenter Edition kann (ebenfalls wie bisher) alle Rollen und Features ausführen, die der Windows Server bietet.

Wie bisher müssen alle Benutzer oder alternativ Geräte, die einen Zugriff auf das System haben, eine Zugriffs-CAL haben. Sowohl in den OEM- als auch in den OPEN-Lizenzen sind keine CALs mehr enthalten, diese müssen ab sofort komplett separat geordert werden.

Standard

Bei der Standard Edition gibt es ebenfalls nur die 2CPU-Edition im OPEN-Bereich sowie die 2CPU OEM-Lizenz und die 2CPU Additional OEM-Lizenz.

Mit einer Windows Server 2012 Standard-Lizenz darf man bis zu zwei virtuelle Systeme betreiben, die lizenztechnisch abgedeckt sind. Wenn man weitere VMs betreiben möchte, kann eine weitere (additional) Standard-Lizenz erworben und zugewiesen werden, mit diesen beiden Lizenzen dürfen bis zu vier VMs betrieben werden. Eine dritte Lizenz kann ebenfalls zugewiesen werden, damit steigt die Anzahl der lizenzierten VMs auf sechs, eine vierte auf acht VMs usw…. Theoretisch könnte man auch noch eine sechste oder siebte Lizenz zugewiesen werden, dies rechnet sich allerdings kostentechnisch nicht, da man in diesem Fall mit einer Datacenter Edition günstiger fährt.

Wichtig bei der Nutzung der virtuellen Lizenzen: Wenn Sie die Hardware-Installation nur für die Nutzung der Virtualisierung einsetzen, dürfen Sie beide in der Lizenz enthaltenen “virtuellen” Lizenzen” für die VMs nutzen, d.h. Sie können zwei VMs installieren und sind korrekt lizenziert. Wenn Sie allerdings die Hardware-Installation (Management-OS genannt) zur Ausführung von weiteren Rollen oder Diensten nutzen (AD-Controller, Fileserver, usw…) dann dürfen Sie nur eine weitere VM installieren und nutzen, eine zweite VM wäre in diesem Fall nicht lizenziert. Dies war bei Windows Server 2008 R2 schon so, an dieser kleinen, aber wichtigen Einschränkung hat sich nichts geändert.

Gegenüber der Version 2008 R2 hat sich bei der Standard Edition der Umfang der Funktionen geändert. Bisher war z.B. ein Betrieb eines Clusters mit einer Standard Edition nicht möglich, da sich die Rolle nicht installieren ließ. Dies ändert sich, ab dem Windows Server 2012 hat sowohl die Standard- als auch die Datacenter Edition den gleichen Funktionsumfang. Somit ist z.B. auch der Aufbau eines Clusters mit dem Windows Server 2012 Standard möglich.

Essentials

Diese Version ist auf 25 Benutzerkonten sowie 50 Geräte beschränkt und beinhaltet nicht das Recht der Virtualisierung, d.h. es können mit diesem System keine VMs betrieben werden. Für den Betrieb eines Windows Server 2012 Essentials sind keine CALs notwendig, dies kennt man vielleicht vom Windows Server 2008 R2 Foundation.

Foundation

Die neue Version der Foundation Edition orientiert sich an seinem 2008 R2 Vorgänger, d.h. es werden ebenfalls keine CALs benötigt und das System ist auf 15 Benutzer beschränkt. Wie die Essentials Edition kann mit diesem System keine Virtualisierung genutzt werden.

Anwendungsgebiete

Datacenter

Die Datacenter Edition ist geeignet für Server, auf denen viele virtuelle Instanzen ausgeführt werden sollen. Wenn diverse Hosts zu einem Failovercluster zusammengeschlossen werden, um gemeinsam VMs zu betreiben, gibt es vermutlich nur sehr wenig Gründe gegen den Kauf von Datacenter-Lizenzen. Durch die Möglichkeit einer Livemigration muss man sich keine Gedanken um eine Unterlizenzierung machen, da immer alle VMs auf allen Hosts korrekt lizenziert sind. Durch die neuen Möglichkeiten von Hyper-V, eine Shared Nothing Livemigration durchzuführen, kann diese Art von Lizenz auch für Nicht-Cluster-Systeme interessant sein.

Standard

Diese Art von Lizenz eignet sich für einzelne Server oder Hyper-V Hosts, die nur eine geringe Anzahl von VMs betreiben sollen. Durch den Wegfall der Funktionsbeschränkungen gegenüber der Datacenter-Edition kann es mittlerweile auch sinnvoll sein, diese (im Vergleich zur Datacenter-Version recht günstige) Lizenz zu nutzen.

Essentials

Diese Lizenz soll den Small Business Server ablösen. Da die bisher bekannte Small Business-Reihe nicht mehr weiterentwickelt wird, soll mit dieser Edition die Brücke geschlagen werden. Das System bringt diverse Connectoren zu den Microsoft Online-Diensten mit, z.B. für Office365. Die geringe Anzahl an möglichen Benutzern und die fehlende Virtualisierung macht dieses Produkt für kleine bis kleinste Umgebungen interessant, die aber trotzdem den Zugriff auf z.B. einen gemeinsamen Exchange Server oder einen Sharepoint benötigen sowie eine gemeinsame Verwaltung der PCs haben möchten. Eine einfache Administration wird durch eine extra für dieses System erstellte Administrationsoberflache gewährleistet. Diese Art von Lizenz kann auf Systemen mit bis zu zwei CPUs eingesetzt werden.

Foundation

Die kleinste der vier Versionen erlaubt eine maximale Anzahl von 15 Benutzern und bietet die geringste Nutzung von Funktionen, z.B. durch eine fehlende Virtualisierungslösung. Gegenüber der Essentials-Edition ist diese Variante nicht für den Betrieb mit Online-Diensten vorbereitet. Ein typisches Einsatzgebiet wäre eine kleine Firma, die lediglich eine Ablage Ihrer Dateien sowie eine Active Directory benötigen. Eine kleine Besonderheit gibt es bei dieser Lizenz: Sie ist lediglich als OEM-Variante verfügbar.

 

Bei spezifischen Fragen oder bei der Unterstützung zur Lizenzierung stehen wir Ihnen natürlich auch gerne persönlich zur Verfügung, denn oftmals sind die internen Strukturen weitaus komplexer als die Demo-Szenarien. Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine Email, gerne unterbreiten wir Ihnen auch ein Angebot über Lizenzen.

Unter: News

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Über den Autor: Jan Kappen ist ausgebildeter Fachinformatiker in der Richtung Systemintegration. Er hat seine Ausbildung im Sommer 2008 abgeschlossen und arbeitet seitdem bei der Rachfahl IT-Solutions GmbH & Co. KG. Jan Kappen ist unter anderen MCITP Server Administrator, Enterprise Administrator und Enterprise Messaging Administrator 2010 sowie MCTS für System Center Virtual Machine Manager 2008, Windows Server 2008 Active Directory, Windows Server Virtualization und Windows Server 2008 Network Infrastructure.